| Liebe Leserin, lieber Leser
Ich begrüsse euch alle herzlich diesen Monat, und hoffe auf das gute Wetter, das bei uns in Zürich leider noch nicht aufgetaucht ist. Die Schwimmsaison ist voll im Gang, mit 19 Weltrekorden, die seit dem 1. Januar schon gebrochen worden sind (ohne die Kurzbahn WM mit zu zählen). Die Triathlon Saison (mindestens für Olympiakandidaten in allen Ländern) ist jetzt auch gerade lanciert worden und wir hoffen auf eine gute Vertretung aus der Schweiz, Deutschland und Österreich in Beijing.
Diesen Monat gibt es viel zu lesen, über ORCA Spezialpreise, über die fabelhafte Weltrekordflut in der Schwimmwelt seit Anfang Jahr bis hin zu Langlauf-Tipps zum „Einsommern“ der Ski. Also zurücklehnen, entspannen, wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!
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Entwicklung der Schwimm-Weltrekorde auf den Sprintstrecken 2008
Sehr beeindruckend, was der März 2008 für die Schwimmwelt gebracht hat. Innerhalb von zwei Wochenenden (Europameisterschaften in Eindhoven und Australian Olympic Trials in Sydney) haben sich die Weltrekorde in alle Sprintstrecken im Freistil massiv verbessert! Das gab es nach meinem Wissen noch nie in der Geschichte des Schwimmens! Und die USA hat ihre Olympische Trials noch nicht durchgeführt!
Am 1. Januar lagen die Weltrekorde auf der Langbahn (50m Bahn) wie folgt:
50m Kraul Herren = 21.64 - Alexander Popov, RU (16.06.2000)
50m Kraul Damen = 24.13 - Inge de Bruijn, NL (22.09.2000)
100m Kraul Herren = 47.84 - Pieter van den Hoogenband, NL (19.09.2000)
100m Kraul Damen = 53.30 - Britta Steffen, DE (2.08.2006)
Heute (per mitte April 2008) sind sie auf folgende Werten:
50m Kraul Herren
21.56 - Eamon Sullivan, Australien (17.02.2008)
21.50 - Alain Bernard, France (23.03.2008)
21.41 - Eamon Sullivan (27.03.2008)
21.28 - Eamon Sullivan (28.03.2008)
50m Kraul Damen
24.09 - Marleen Veldhuis, Nederland (24.03.2008)
23.97 - Lisbeth Trickett (vorher Lenton), Australien (29.03.2008)
100m Kraul Herren
47.60 - Alain Bernard (21.03.2008)
47.50 - Alain Bernard (22.03.2008)
100m Kraul Damen
52.88 durch Lisbeth Trickett (27.03.2008)
Schon die Zeit von Pieter van den Hoogenband an der Olympischen Spielen in 2000 wurde als Fabelweltrekord bezeichnet. Jetzt schwimmen zwei Schwimmer zwischen 47.50 und 47.52. Alle anderen Schwimmer sind über 48.30 Sekunden in diesem Jahr. Zu meinen Wettkampfzeiten (Ende 1980’er, anfangs 1990’er Jahren) konnte man sagen, alles unter 50 Sekunden war Weltklasse und es gab etwa 15 bis 20 Schwimmer in dieser Leistungsklasse. Heute ist diese Grenze bei 49 Sekunden, wobei mehr als 10 Schwimmer darunter schwimmen können, mit zwei Ausnahmen die weit unter 48 Sekunden sind.
Vielleicht habt ihr die Bilder der Schwimmer (Alain Bernard, France und Eamon Sullivan, Australien) in den Medien gesehen. Meiner Meinung nach sieht der Alain Bernhard aus wie einen Gewichtheber, der über 2 Meter gross ist. Nie in mein Leben habe ich solche Muskelpakete hinter den Blocks gesehen. Was heisst das für den Schwimmsport? Die Trainingsmethoden entwickeln sich dermassen schnell heute, dass wir eine neue Schub sehen, speziell bei den Männern, wobei der Muskelkraft voll ausgenutzt wird, um die Grenzen in den Sprint strecken weiter nach unten zu drücken. Viel mehr Training ausserhalb des Wassers wird zum wichtigen Teil von den Trainingseinheiten von diesen Schwimmern. Sie machen mehr Krafttraining und konzentrieren sich mehr auf Technik wenn sie überhaupt im Wasser sind. Durch diese Entwicklung ist es meiner Meinung nach möglich, die Weltrekorde auf 100m Kraul unter 47 Sekunden zu drücken. Diesen Sommer bei den Olympischen Spielen in Beijing? Vielleicht noch nicht, aber ich glaube sicher, im nächsten Olympiazyklus bis 2012 (London).
Was will ich damit sagen? Eine Zeit von 1.00 Minute über 100 Meter Kraul ist ausserhalb der Reichweite von den meisten Triathleten. Die meisten Triathleten bewegen sich im Rahmen von 1.20 bis 2.00 Minuten pro 100m, wenn sie längere Distanzen schwimmen. Also bitte nicht mit diesen Muskelpaketen vergleichen! Ich kann mir vorstellen, dass Alain Bernard und Eamon Sullivan nicht mal 400 Meter Kraul schwimmen können in einer Zeit die annährend an der Weltelite kommen würde, wegen ihren grossen Muskeln und fast überentwickelten Körpern… Zudem wird zur Zeit viel spekuliert über die Unterstützung, die die zweite Haut in Form des Schwimmanzugs bringen kann. Mag sein, das ist aber reine Spekulation und sowieso nur in den Bereichen von Hundertsteln relevant.
ABER die Konkurrenz schläft nicht und es ist deshalb sehr wichtig, sich immer mit möglichen Verbesserungen, sprich: möglicher Beschleunigung im Schwimmen auseinanderzusetzen. Und genau daran arbeiten wir!
Schwimmerische Grüsse
Marco Pilloud
Photo Credits - Janusblog.com, 20minutes.fr, Steve Christo (Eamon Sullivan), bodyscience.com.au, Barbara Jentner
Langlauf Tipp
Im Hinblick auf unsere verlängerten „Skating auf dem Schnee und im Wasser“–Weekends vom 12. bis 14. Dezember 2008 und vom 17. bis 19. Januar 2009 im Sporthotel in Pontresina, werde ich ab und zu in den folgenden Newsletters kleine Berichte zum Thema Langlauf, Bewegung, polysportive Aktivitäten usw. schreiben. Langlauf ist wie Schwimmen eine sehr umfassende Sportart, daher kann ich natürlich bei den gewählten Themen nicht immer bis in die Details gehen. Ich werde versuchen, gewisse Themen über welche mir oft Fragen gestellt werden, hier zu erläutern und hoffe, dass der/die eine oder andere ein paar neue „Inputs“ kriegt.
Diagonal (klassische Technik) oder Skating (freie Technik)?
Diagonal ist dem normalen Laufen näher als Skating, weil die Kreuzkoordination von Armen und Beinen ähnlich dem Gehen bzw. Laufen sind. Es ist möglich in der klassischen Technik eine sehr niedrige Intensität zu laufen. Die Gewichtsverlagerung ist für Ungeübte einfacher, da sie weniger weit ist als beim Skating: man wird in der Spur geführt, was am Anfang ein sichereres Gefühl gibt als auf der breiteren Skating-Loipe. Also für Einsteiger einfacher als Skating.
Auf einem fortgeschrittenen Niveau kann man jedoch auch Diagonal Vollgas geben und das Feingefühl für den optimalen Abstoss kommt hier noch mehr zu tragen als beim Skating. D.h. auf einem höheren Niveau ist dies die anspruchsvollere Technik. Der Abstoss ist diagonal und explosiv, daher ist die klassische Technik eine ideale Vorbereitung z.B. für Läufer.
Skating ist die schnellere Technik, erfordert jedoch von Anfang an einen höheren Konditions-und Kraftaufwand. Dass heisst eine gute Grundkondition und –Kraft sind unbedingt notwendig zum skaten! Man muss von Anfang an eine gewisse Intensität laufen um vorwärts zu kommen. Die Abstossphase beim Skating über die gleitende Innenski-Kante dauert länger als beim Diagonal. Die freie Technik ist daher wiederum eher verwandt mit dem Radfahren und sicher eine gute Vorbereitung z.B. für die Radsaison. Es ist jedoch durchaus auch möglich mit dieser Technik einzusteigen, insofern der Sportler die obengenannten Voraussetzungen mitbringt und bestenfalls auch die Inline- bzw. Schlittschuhbewegung kennt, welche dem skaten nahe ist.
Beide Techniken sind sehr technisch. Ohne saubere, bewusste Technik wird nur der Kopf roter anstatt das Tempo und der Spassfaktor höher :-)
Ich kann natürlich allen nur herzlich empfehlen, beide Techniken zu laufen: mit hohem Tempo über die Flächen gleiten oder mit feinfühligen Schritten die Täler erkunden, beides hat seinen Reiz. Beide Techniken ergänzen sich optimal: d.h. die eine Technik bringt der anderen etwas! (natürlich ist das auch mit höherem Zeit- und Materialaufwand verbunden, da die Ausrüstungen von Schuh über Stock bis zum Ski verschieden sind, sowie das Skiwachsen - doch das ist ein anderes Thema…).
Eine der optimalsten Ergänzungen in allen Jahreszeiten ist sicher das Schwimmen. Auch hier gibt es sehr viele Parallelen zu beiden Langlauftechniken. In unseren Kursen haben wir uns für Skating entschieden. Es besteht jedoch jederzeit die Möglichkeit auch in der klassischen Technik Privat- oder Gruppenstunden zu buchen.
Sportliche Grüsse
Barbara Jentner
PS. - Nicht vergessen die Skis „einzusommern“, d.h. Heisswachs drauf lassen!
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